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Suriname – eine ganz besondere Reise

| Kaatje Rietdijk | |

Mein Großvater stammt aus Suriname und ist im Maroon-Dorf Kwattahede am Saramaccafluss aufgewachsen. Als Kind habe ich mir darüber nie große Gedanken gemacht, aber je älter ich wurde, desto mehr Interesse entwickelte ich für diesen Teil meiner Wurzeln. Ich sah meinen Großvater regelmäßig in den Niederlanden, konnte mir aber nie ein richtiges Bild von seinem Leben und dem meiner anderen Verwandten in Suriname machen. Jetzt, nach all den Jahren, war es endlich soweit. Zusammen mit meiner Mutter bin ich nach Suriname gereist. Für meine Mutter war es das dritte Mal, für mich das erste Mal. Eine besondere Reise, die ich gemeinsam mit meiner Mutter unternehmen durfte.

Familie und Entdeckungen

Bei dieser Reise ging es natürlich nicht nur um einen Familienbesuch, sondern auch darum, dieses wunderschöne Land zu entdecken. Nach einem neunstündigen Flug schaue ich aus dem Fenster und sehe Grün, viel Grün. Das kann auch gar nicht anders sein, denn etwa 85 % des Landes bestehen aus Amazonas-Regenwald. Meine Tanten heißen uns herzlich willkommen, und die ersten Tage verbringen wir im Bezirk Wanica, ganz in der Nähe von Lelydorp. Hier erhalte ich einen Einblick in den Alltag. Als Erstes fällt mir auf, dass die meisten ein großes Grundstück besitzen, auf dem viel Obst und Gemüse selbst angebaut wird. Außerdem sind die meisten Häuser auf einer Art Betonpfählen errichtet. Auf Nachfrage erfahre ich, dass dies dem Wind dient; wenn man hoch oben wohnt, profitiert man von einer Brise, die bei diesen tropischen Temperaturen sehr willkommen ist.

Schmelztiegel der Kulturen

Was mir auch sofort auffällt, ist, dass fast jeder Supermarkt einen chinesischen Namen hat. Das zeigt gleich, welch ein Schmelztiegel der Kulturen Suriname ist. Nachkommen von Chinesen, Javanern, Hindustanen, Juden, Niederländern, der einheimischen Bevölkerung und vielen anderen leben hier alle in Harmonie miteinander. In Paramaribo lässt sich dies ebenfalls gut beobachten: Hier ist es nichts Ungewöhnliches, eine Moschee, eine Kirche und eine Synagoge Seite an Seite zu sehen.

An unserem ersten Abend genießen wir gleich ein authentisches surinamisches Roti – ein guter Start in diese Entdeckungsreise.

Für gute surinamisch-javanische Köstlichkeiten kannst du im Stadtteil Blauwgrond in Paramaribo vorbeischauen, aber da wir uns noch in Wanica befinden, fahren wir nach Lelydorp. Auch hier gibt es am Zentralmarkt einige gute kleine Lokale. Lass dich nicht vom äußeren Erscheinungsbild täuschen: Es sieht vielleicht schlicht aus (ein paar kleine Küchen in einer quadratischen Stahlkonstruktion), aber das Essen ist köstlich!

Frederiksdorp

Nach ein paar Tagen bei der Familie war es Zeit, mehr von Suriname zu entdecken. Fahrer Ruud holt uns ab und bringt uns zum Pier Mariënburg. Wir unterhalten uns gemütlich – ein klarer Vorteil von Suriname: Da hier jeder Niederländisch spricht, fällt es sehr leicht, ein flüssiges Gespräch zu führen. Am Pier Mariënburg angekommen, setzen wir mit einem Boot nach Frederiksdorp über, einer ehemaligen Plantage am Commewijne-Fluss. Wir fühlen uns sofort ein wenig in die Vergangenheit zurückversetzt: Die ehemaligen Offizierswohnungen aus Holz, die vollständig restauriert wurden, bilden das Herzstück des Plantagenresorts Frederiksdorp. Wir werden freundlich empfangen und erhalten Erläuterungen zu den verschiedenen Aktivitäten, die für uns auf dem Programm stehen. Gemeinsam mit unserer Reiseleiterin Rebecca planen wir die kommenden Tage, und dann ist erst einmal Zeit zum Entspannen.Die Entspannung währt jedoch nur kurz, denn für heute steht ein historischer Spaziergang mit Rebecca auf dem Programm, bei dem sie uns mehr über die Geschichte von Frederiksdorp erzählt.

Ein beeindruckendes Stück Geschichte

Im Jahr 1747 wurde die Plantage Frederiksdorp von Johan Friedrich Knöffel als Kaffeeplantage gegründet. Im Jahr 1775 arbeiteten etwa 200 Sklaven auf der Plantage. Viele von ihnen unternahmen Fluchtversuche, die jedoch oft erfolglos blieben. Das Problem war, dass sie kaum Auswege hatten. Einige versuchten, über den Fluss auf die andere Seite zu schwimmen, in der Hoffnung, dort Freiheit zu finden, doch auf der anderen Seite des Commewijne-Flusses landeten sie auf einer anderen Plantage. Auf einer Karte aus dem Jahr 1840 ist die große Anzahl an Plantagen in Suriname zu sehen: Um dieses Jahr herum zählte Suriname nicht weniger als 956 Plantagen. Frederiksdorp hatte zu diesem Zeitpunkt laut offizieller Zählung 141 Sklaven, doch in Wirklichkeit waren es viel mehr. Der Anblick der Karte mit all den Plantagen und dem Ausmaß der Sklaverei hinterlässt bei uns einen tiefen Eindruck. Es ist schwer vorstellbar, wie es damals war, aber dieser historische Rundgang macht vieles deutlich. Nach der Abschaffung der Sklaverei arbeiteten hier noch Vertragsarbeiter, die hauptsächlich aus Britisch-Indien und Java stammten. In den Dörfern rund um den Commewijne-Fluss leben daher heute vor allem hindustanisch-surinamische und javanisch-surinamische Einwohner. Neben Kaffee wurde auf der Plantage Frederiksdorp für kurze Zeit auch Kakao angebaut. 1976 wurde Frederiksdorp von Herrn Hagemeijer übernommen, und um die Jahrtausendwende beschloss man, einen neuen Weg einzuschlagen und sich neben der Landwirtschaft auch auf den Tourismus zu konzentrieren.

Es gibt viel zu erleben

Neben dem historischen Stadtrundgang gibt es hier noch zahlreiche weitere Aktivitäten zu unternehmen. Am späten Nachmittag steigen wir ins Boot und machen uns auf die Suche nach dem rosa Flussdelfin. Man weiß natürlich nie, ob man Glück hat, und die Geduld kann auf eine harte Probe gestellt werden. Wir fahren in Richtung der Flussmündung, und in der Ferne sehe ich kurz etwas aus dem Wasser ragen. Wir nähern uns schnell, und ich erhasche einen flüchtigen Blick auf eine Schnauze. Plötzlich sehe ich links vom Boot einen Delfin auftauchen, der sich mit hoher Geschwindigkeit auf unser Boot zubewegt. Er streift kurz die Seite und schießt unter uns hindurch. Nicht viel später haben wir erneut Glück: Mehrere Delfine zeigen sich.

Am nächsten Tag fahren wir zusammen mit unserem Reiseleiter in das Dorf Johan und Margaretha. Und da wir nun mal Niederländer sind, entscheiden wir uns dafür, diese Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen. Nach einer kurzen Radtour kommen wir im Dorf an und kommen an der Grundschule vorbei. Ein Stück weiter sind wir schon im Zentrum des Dorfes. Dort gibt es eine Art überdachten Platz, auf dem alle Feste stattfinden, für die Johan und Margaretha bekannt sind. Es gibt regelmäßig etwas zu feiern, und die Leute kommen sogar mit dem Boot von der anderen Seite herüber, um mitzufeiern. Auf dem Rückweg werden wir von einem tropischen Regenschauer überrascht, aber die Abkühlung, die er bringt, ist insgeheim doch sehr willkommen. Unser Aufenthalt in Frederiksdorp ist nach drei Tagen leider schon wieder vorbei, aber ich kann sagen, dass dieser Ort auf einer Rundreise durch Suriname auf jeden Fall einen Besuch wert ist.

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