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Auf der Suche nach dem Monarchfalter in Mexiko

| Anke Hendriks | |

​Es ist noch früh, als ich aus dem Bett steige und mich fürs Frühstück fertig mache. Es ist kalt. Die blasse Sonne steht hoch am blauen Himmel und es verspricht, ein schöner Tag zu werden. Allerdings liegt die Temperatur gerade erst knapp über null und auf dem Gras liegt noch Raureif. Man würde es nicht glauben, aber ich bin in Mexiko.

Keine Sonne, kein Meer, kein Strand

Viele Menschen denken bei Mexiko sofort an weiße Strände, klares blaues Wasser und Cocktails. Das Landesinnere hat nichts davon zu bieten, aber ich beschwere mich nicht. Hier trinkt man Mezcal, und in den letzten Tagen habe ich die Landschaften genossen, durch die wir gefahren sind. Die Route führt uns durch die Berge, vorbei an Feldern voller Kakteen, und lässt uns in kleinen Ortschaften für ein traditionelles Mittagessen Halt machen; meist etwas auf Tortilla-Basis. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und die Tage können mir gar nicht lang genug sein.

Nach Angangueo zur Wanderung des Monarchfalters

Gestern fuhren wir durch das koloniale Mexiko. Wir fuhren von San Miguel de Allende über Morelia nach Angangueo. Angangueo ist ein kleines Bergdorf auf 2.500 Metern Höhe. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf etwa 9.000, und auf dem zentralen Platz gibt es genau zwei Restaurants. Die Einwohner sind äußerst gastfreundlich und hilfsbereit, und ich habe hier die beste Guacamole meines Lebens gegessen, aber ansonsten gibt es hier nicht viel zu erleben. Wir sind also nicht einfach so hier gelandet, sondern aus einem bestimmten Grund: der Wanderung des Monarchfalters.
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Jedes Jahr fliegen Millionen von Monarchfaltern von Kanada in die Berge des mexikanischen Bundesstaates Michoacán de Ocampo, um dort zu überwintern. Die Schmetterlinge nisten sich in großer Zahl in den Bäumen ein und fliegen tagsüber umher. Dieses Naturphänomen soll sehr einzigartig und außergewöhnlich sein. Nachdem ich einige Videos gesehen hatte, wollte ich es mir auch mit eigenen Augen ansehen.

Ein magischer Märchenwald voller Monarchfalter

Da sind wir nun. Früh am Morgen, bereit, die Schmetterlinge zu besuchen. Es gibt drei verschiedene Orte, die für Besucher geöffnet sind. Der Rest des Gebiets ist gesperrt und gehört ausschließlich den Schmetterlingen. Wir fahren nach El Rosario, das auf 3.000 Metern Höhe liegt. Dieses Schutzgebiet wird von den Dorfbewohnern verwaltet, und es ist Pflicht, den Park mit einem Führer zu besuchen. Nicht schlecht, denn sie wissen alles über das Gebiet, die Schmetterlinge und die Wanderung. Außerdem unterstützt man so die lokale Bevölkerung. Mit Schmetterlingen im Bauch kommen wir im Park an. Neugierig darauf, was uns erwarten wird, und mit der leisen Hoffnung, zumindest ein paar Schmetterlinge zu sehen. Es gibt keinen Grund zur Sorge, wie sich schon recht schnell herausstellt.

Langsam taucht die Sonne zwischen den Bäumen auf und die Schmetterlinge erwachen. An den Bäumen hängen ganze Schwärme von Schmetterlingen, die sich zusammengeschlossen haben, um die Nacht gut zu überstehen. Sobald die Sonne auf ihre Flügel scheint, kommt Bewegung in die Schwärme und die Schmetterlinge fliegen davon. Der grüne Wald verwandelt sich in einen magischen Märchenwald. Die Schmetterlinge – es sind buchstäblich Millionen – flattern anmutig um uns herum. Ich schaue nach oben, und der strahlend blaue Himmel ist voller orangefarbener Schmetterlinge, die friedlich umherfliegen, und ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, und ich genieße diesen besonderen Moment.

Überall orangefarbene Schmetterlinge

Es ist noch ruhig, und unser Reiseleiter führt uns tiefer in den Wald hinein. Immer mehr Schmetterlinge erwachen, sie fliegen empor, und ich schaue zu, bis der Himmel ganz voll ist. Der Kontrast der Farben und das Geräusch der Flügel sind beeindruckend. Ich gehe zwischen den Schmetterlingen hindurch, ein Schmetterling ruht sich auf meinem Schuh aus und ein anderer macht eine Pause auf meinem Arm. Mein Reiseleiter erzählt, dass er hier aufgewachsen ist und dass dies für ihn ein jährlich wiederkehrendes Phänomen ist. Ob er sich daran jemals sattsehen kann? Er verneint es, und ich kann es mir auch nicht vorstellen.

Die Wanderung der Monarchfalter in Mexiko
  • Die Wanderung der Monarchfalter in Mexiko

Mexiko – viel mehr als nur Sonne, Meer und Strand

Dieses Naturphänomen zu erleben, ist wirklich magisch. Noch nie habe ich so viele Schmetterlinge auf einmal gesehen, und die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume scheinen, machen den Anblick noch besonderer. Leider steht dieser Ort, wie so viele andere Orte in Mexiko, im Schatten des Klischees, das man von Mexiko hat: Sonne, Meer und Strand. Doch Mexiko hat viel mehr zu bieten, es ist einfach großartig dort. Die Landschaften sind abwechslungsreich und atemberaubend, die Menschen sind freundlich und gastfreundlich, und die Kultur ist vielfältig, lebendig und geprägt von einer langen und beeindruckenden Geschichte.

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