24 Stunden in Havanna, Kuba
Ich spaziere über den Paseo del Prado, den breiten Boulevard, der das Capitolio, den Parque Central und den Malecón miteinander verbindet. Diese breite Allee mit einer Fußgängerzone in der Mitte erinnert mich ein wenig an die Ramblas in Barcelona. Nur ist hier weniger los, und ich habe das Gefühl, etwa fünfzig Jahre in der Zeit zurückgereist zu sein. Ich spaziere durch die Straßen von Havanna, Kuba, und ich spüre und sehe die Geschichte fast buchstäblich.
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Das Kuba von Fidel Castro und Che Guevara
Ich denke an die Zeit der Revolution, an Fidel und Che Guevara – die nicht nur in Kuba, sondern auch im Rest der Welt einen fast schon mythischen Status genießen. Ich denke an die Zeit, als die organisierte Kriminalität aus den USA unter der Führung von Meyer Lansky und Charles „Lucky“ Luciano in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts versuchte, hier Fuß zu fassen. Kuba als koloniale Perle des spanischen Reiches. Der ewige Kampf, den Kuba als sozialistische Hochburg gegen sein Nachbarland, die Vereinigten Staaten von Amerika, führt, wodurch die Kubaner viele Jahrzehnte lang fast vollständig von der westlichen Welt isoliert waren. In Havanna fühle ich mich fast immer in diese ruhmreichen Zeiten versetzt, die die Stadt zugleich so faszinierend machen.
Ich biege ab und gehe zum Hotel Sevilla. Das imposante Gebäude ist heute nur noch ein Schatten seiner selbst, aber wenn die Wände hier sprechen könnten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt dieses Hotel als das luxuriöseste und renommierteste Hotel Havannas. Im Jahr 1939 kaufte Amleto Batisti y Lora, ein Mafioso italienisch-uruguayischer Herkunft, das Hotel und eröffnete dort ein Casino, wodurch es zu einem Zufluchtsort für viele führende Köpfe der amerikanischen Mafia wurde. Im Hotel hat sich nichts verändert, und alles ist noch genau so wie damals. Wenn ich also durch die Lobby gehe, habe ich das Gefühl, jeden Moment Meyer Lansky oder Al Capone über den Weg zu laufen.
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Geschichte, in Kunst umgesetzt
Ich durchquere die Lobby, verlasse das Hotel auf der anderen Seite wieder und mache mich auf den Weg zum Museo Nacional de Bellas Artes, dem Museum der Schönen Künste, wo ich einen Termin mit der Kuratorin Sussette Martinez habe. Sie führt mich durch die Sammlung des Museums und erzählt mir anhand der Kunstwerke und der versteckten Botschaften, die die verschiedenen kubanischen Künstler mit ihren Werken vermitteln wollten, von der Geschichte Kubas von der Zeit kurz vor der Revolution im Jahr 1959 bis heute. Man sieht, wie sich die Haltung der Künstler von hoffnungsvoll über kritisch bis hin zu zynisch und rebellisch wandelt.
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Nachdem Fidel und seine Anhänger 1959 die Macht übernommen hatten, waren die meisten kubanischen Künstler, genau wie der Rest der Bevölkerung, voller Hoffnung, und Fidel nutzte daher auch die kubanische Kunst, um seine Botschaft zu verbreiten. Als jedoch erste kritische Stimmen laut wurden, beschlossen die Machthaber, dass die kubanische Kunst ausschließlich die Revolution unterstützen dürfe, wodurch kritische Werke verboten wurden. Die Kreativität, mit der es den Künstlern gelang, ihre kritische Stimme durch ihre Werke zum Ausdruck zu bringen, ohne dass dies auf den ersten Blick ins Auge fiel, ist jedoch außergewöhnlich und steht meiner Meinung nach synonym für das hohe Maß an Kreativität, das den Charakter der gesamten kubanischen Bevölkerung auszeichnet.
Es ist bemerkenswert zu sehen, wie der durchschnittliche Kubaner jeden Tag aufs Neue sein Bestes geben muss, um über die Runden zu kommen, während es meiner Meinung nach andererseits kein einziges Land gibt, in dem das allgemeine intellektuelle Niveau der Bevölkerung so hoch ist. Es ist ein faszinierender Spaziergang vorbei an sehr interessanten kubanischen Kunstobjekten, bei dem ich aus einem eher ungewöhnlichen Blickwinkel mehr über die jüngste kubanische Geschichte erfahre.
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Das vielversprechende und kreative Viertel Vedado
Anschließend nimmt mich Sussette mit zu den Ateliers einiger vielversprechender junger kubanischer Künstler, die im Stadtteil Vedado ansässig sind. Das Viertel Vedado entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die wohlhabenderen Einwohner Havannas sich außerhalb des Stadtzentrums niederlassen wollten und sich für dieses naturreiche Gebiet entschieden, in dem das Bauen zunächst verboten war. Das Viertel grenzt direkt an das Stadtzentrum, doch die Häuser, die im amerikanischen Stil der 1930er- und 1940er-Jahre erbaut wurden, sind viel großzügiger angelegt, von üppigen Gärten umgeben und liegen an schattigen Alleen. Hier befinden sich übrigens auch einige attraktive, kleine Boutique-Hotels, die ideal sind, wenn Sie Havanna entdecken möchten, aber zwischendurch die Ruhe genießen und ein gutes Buch an einem schönen Plätzchen im Garten Ihrer Unterkunft lesen möchten.
Im ersten Atelier treffe ich Daniel Rodriguez Collazo, einen vielversprechenden kubanischen Künstler, der mit Holzkohle Zeichnungen kubanischer Architektur anfertigt. Außerdem besuche ich den bereits etablierten kubanischen Künstler Ibrahim Miranda. Er nutzt Landkarten als Grundlage für seine Kunst und stellt mittlerweile in führenden Museen auf der ganzen Welt aus. Im Vedado herrscht eine sehr positive Energie. Eine Energie, die ich mit der Energie und Positivität vergleiche, die ich in Medellín in Kolumbien erlebt habe. Auch dies ist eine Stadt mit einer bewegten Geschichte, in der nun eine wahre Explosion der Kreativität ausgebrochen ist und in der die meist junge Bevölkerung soziokulturelle Projekte in den Bereichen Gesang, Tanz und Kunst ins Leben gerufen hat.
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Ein Freilichtmuseum
Havanna ist eine atemberaubende Stadt mit verschiedenen charakteristischen Stadtvierteln, von denen jedes seine eigene Identität hat. Die Erkundung der kubanischen Hauptstadt gleicht zuweilen einer Reise in die Vergangenheit, bei der Sie an einigen wichtigen Stationen der Geschichte Halt machen können. Mit ihren klassischen amerikanischen Autos und den verschiedenen Architekturstilen, die das Straßenbild prägen, ist Havanna ein wahres Freilichtmuseum. Mit den richtigen Reiseleitern können Sie sich an den spannenden Geschichten erfreuen, die die ruhmreiche Geschichte des Landes und seiner faszinierenden Hauptstadt zum Leben erwecken. Als Sahnehäubchen hören Sie an jeder Straßenecke in Havanna die melodiösen Klänge der kubanischen Salsa- und Rumba-Musik und finden etwas außerhalb der Stadt, auf einem waldreichen Anwesen, das ehemalige Wohnhaus des amerikanischen Schriftstellers und Nobelpreisträgers Ernest Hemingway, wo noch alles so ist, wie damals, als er zum letzten Mal die Tür hinter sich schloss.
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